Möglichkeiten und Rechte des Klägers, Untätigkeit des Finanzgerichts […]»

Untätigkeit des Finanzgerichts, Möglichkeiten und Rechte des Klägers:

In finanzgerichtlichen Verfahren kommt es in der Praxis nicht selten vor, dass nach Einreichung der Klage über einen längeren Zeitraum hinweg keine erkennbare gerichtliche Aktivität erfolgt.

Für den Kläger stellt sich in derartigen Situationen die Frage, ob und wie er auf die Verfahrensdauer Einfluss nehmen kann.

Finanzgerichte sind sowohl für Hauptsacheverfahren als auch für Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes zuständig.

Während letztere häufig zügig bearbeitet werden, ist in Hauptsacheverfahren regelmäßig zu beobachten, dass nach einem anfänglichen Schriftsatzaustausch über einen längeren Zeitraum keine gerichtlichen Aktivitäten erfolgen.

Die Untätigkeit des Finanzgerichts über einen längeren Zeitraum ist in der Praxis keine Seltenheit.

Kläger sind jedoch nicht rechtlos gestellt. Durch eine frühzeitige Sachstandsanfrage und insbesondere durch die rechtzeitige Erhebung der Verzögerungsrüge können sie ihre Rechte wahren und gegebenenfalls eine Entschädigung sichern.

Angesichts der begrenzten Rückwirkung der Verzögerungsrüge ist ein strategisch abgestimmtes Vorgehen von entscheidender Bedeutung.

Hier geht es  zu dem von dem Kanzleiinhaber Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, Karlsruhe, Ettlingen, im Datev-Online veröffentlichten, ausführlichen Beitrag  Möglichkeiten und Rechte des Klägers – Untätigkeit des Finanzgerichts –

Weitere Informationen:

Dank unserer Fachexpertise im Steuerstreitrecht publizieren wir in den renommierten Fachzeitschriften wie NWB – Steuer- und Wirtschaftsrecht und StBp Die Steuerliche Betriebsprüfung.

Nachfolgend ist ein kleiner Auszug der von uns verfassten aktuellen Publikationen zu finden:

Gemeinsame koordinierte Außenprüfung mit Steuerverwaltung fremder Staaten“ StBp Die Steuerliche Betriebsprüfung 12/2025, S.404

„Praxisrelevante Rechtsprechung zur Außenprüfung im Jahr 2024, Teil 1:“ NWB Steuer- und Wirtschaftsrecht 37/2025, S.2540-2550

Weitere Fachbeiträge finden Sie in unseren Publikationen:

Publikationen Weber Recht Steuern Ettlingen I Karlsruhe

Für ein persönliches Gespräch oder bei akuten Fragestellungen können Sie mit uns Kontakt, auch per E-Mail: kw@weberlaw.de aufnehmen.

Steuerbescheid Einspruch abgelehnt – und nun? […]»

Die Ablehnung eines Einspruchs durch die Finanzbehörde ist für viele Steuerpflichtige ein Einschnitt – doch sie bedeutet nicht das Ende.

Jetzt beginnen Fristen zu laufen, strategische Fragen stellen sich neu und die Entscheidung für oder gegen eine Klage will gut abgewogen sein.

Wer seine Rechte wahren und unnötige Risiken vermeiden möchte, sollte die nächsten Schritte genau kennen.

Die Einspruchsentscheidung markiert keinen Schlusspunkt, sondern häufig den Beginn der gerichtlichen Auseinandersetzung.

Entscheidend ist die Einhaltung der einmonatigen Klagefrist. Wer unsicher ist, sollte zumindest fristwahrend Klage einreichen und die Begründung später ausarbeiten.

Eine sorgfältige Prüfung der Erfolgsaussichten, der Kostenfolgen und der strategischen Optionen ist unerlässlich. Denn nach der Einspruchsentscheidung läuft die Frist.

» » Hier geht es  zu dem von mir im Datev-Online veröffentlichten Beitrag  Einspruch abgelehnt – und nun?

Von Konstantin Weber im Datev-Online vom 2. März 2026

Weitere Informationen:

Dank unserer Fachexpertise im Steuerstreitrecht publizieren wir in den renommierten Fachzeitschriften wie NWB – Steuer- und Wirtschaftsrecht und StBp Die Steuerliche Betriebsprüfung.

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Gemeinsame koordinierte Außenprüfung mit Steuerverwaltung fremder Staaten“ StBp Die Steuerliche Betriebsprüfung 12/2025, S.404

„Praxisrelevante Rechtsprechung zur Außenprüfung im Jahr 2024, Teil 1:“ NWB Steuer- und Wirtschaftsrecht 37/2025, S.2540-2550

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Steuern für Influencer: Die größten Risiken im Creator‑Business – und wie Sie sich schützen […]»

Das Influencer‑Business hat sich in den letzten Jahren zu einer professionellen Branche entwickelt – mit erheblichen wirtschaftlichen Umsätzen, komplexen Vertragsstrukturen und einer zunehmend strengen steuerlichen Überwachung. Viele Creator unterschätzen jedoch, wie schnell steuerliche Fehler zu Steuernachzahlungen, Bußgeldern oder sogar strafrechtlichen Konsequenzen führen können.

Als Kanzlei mit Schwerpunkt Steuerrecht, Steuerstrafrecht und Compliance begleiten wir regelmäßig Influencer, Agenturen und Unternehmen in diesem dynamischen Umfeld. Dieser Beitrag zeigt die typischen steuerlichen Problemfelder, die häufigsten Fehler und die wichtigsten Pflichten, die Influencer kennen müssen.

1. Einnahmen & Sachleistungen: Steuerpflicht auch ohne Geldfluss:

Der häufigste Fehler im Influencer‑Business ist die Annahme, dass nur Geldzahlungen steuerpflichtig sind. Tatsächlich gilt:

Alles, was einen wirtschaftlichen Wert hat, ist steuerpflichtig.

Dazu gehören insbesondere:

  • Honorare
  • Gratis‑Produkte
  • Reisen und Hotelübernachtungen
  • Event‑Einladungen
  • Dienstleistungen von Kooperationspartnern

Diese Leistungen gelten als gewerbliche Einkünfte (§ 15 Abs.2 EStG) und müssen mit ihrem Marktwert als Betriebseinnahmen erfasst werden.

Privatnutzung = steuerpflichtige Entnahme

Behält der Influencer Produkte oder nutzt sie privat, liegt eine Privatentnahme vor. Bei Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH) kann dies sogar eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen.

Wichtig: Das Verschweigen solcher Leistungen kann als Steuerhinterziehung gewertet werden.

2. Umsatzsteuer-Fallen: Besonders relevant bei Barter‑Deals:

Influencer gelten umsatzsteuerlich als Unternehmer, sobald sie nachhaltig Einnahmen erzielen.

Kleinunternehmergrenze 2025: 25.000 € Vorjahresumsatz

Wer darüber liegt, muss Umsatzsteuer ausweisen und abführen.

Barter‑Deals sind umsatzsteuerpflichtig

Auch wenn kein Geld fließt, entsteht Umsatzsteuer auf den Marktwert der Gegenleistung.

3. Vermischung von privaten und geschäftlichen Ausgaben:

Ein weiterer Klassiker: private Ausgaben werden als Betriebsausgaben verbucht.

Besonders kritisch:

  • Designer‑Taschen
  • Luxus‑Elektronik
  • Autos
  • Urlaubsreisen
  • Mode & Accessoires

Bei GmbHs droht schnell der Vorwurf einer verdeckten Gewinnausschüttung.

Folgen: Steuernachzahlungen, Strafverfahren, persönliche Haftung.

4. Internationale Sachverhalte & Wegzug ins Ausland:

Viele reichweitenstarke Influencer ziehen nach Dubai, Zypern oder Spanien. Häufig wird übersehen:

Der Wegzug beendet die deutsche Steuerpflicht nicht automatisch

Bleibt ein Wohnsitz in Deutschland bestehen → unbeschränkte Steuerpflicht (§ 1 EStG).

Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG)

Bei Anteilen an Kapitalgesellschaften kann eine erhebliche Steuerlast entstehen.

Zahlungen deutscher Auftraggeber an ausländische Influencer

Diese können nach § 50a EStG steuerpflichtig sein. Unternehmen riskieren Haftung, wenn sie Quellensteuern nicht korrekt abführen.

5. Compliance-Pflichten: Was Influencer zwingend beachten müssen:

a) Gewerbeanmeldung & steuerliche Registrierung

Influencer müssen ein Gewerbe anmelden und sich beim Finanzamt registrieren. Unterlassungen führen zu Bußgeldern und Steuerstrafverfahren.

Praxiswissen: Gewerbesteuerbescheide bedeuten nicht automatisch, dass das Gewerbe korrekt angemeldet wurde.

b) Buchführung & Aufzeichnungspflichten

Je nach Größe: EÜR oder Bilanz. Alle Einnahmen – auch Sachleistungen – müssen mit Marktwert erfasst werden.

Verstöße gegen § 146 AO können als Vorsatz im Steuerstrafverfahren gewertet werden.

c) Rechnungsstellung & Belegwesen

Auch bei Barter‑Deals müssen Rechnungen über den Marktwert gestellt werden.

Fehler führen zu:

  • Verlust des Vorsteuerabzugs
  • Bußgeldern nach § 14 UStG
  • Risiken bei Betriebsprüfungen

d) Transparenz gegenüber dem Finanzamt

Die Finanzverwaltung nutzt digitale Auswertungen, Social‑Media‑Monitoring und internationale Meldepflichten (DAC7).

Eine Selbstanzeige (§ 371 AO) ist nur möglich, solange die Tat nicht entdeckt wurde.

6. Fazit: Prävention ist der beste Schutz:

Influencer, Agenturen und Unternehmen sollten steuerliche Risiken frühzeitig erkennen und professionell managen.

7. Empfehlung der Weber I Recht & Steuern Kanzlei Karlsruhe Ettlingen:

Influencer sollten eine Compliance‑Checkliste führen, die umfasst:

  • steuerliche Pflichten
  • Dokumentationsanforderungen
  • Vertragsprüfung
  • regelmäßige Updates zu steuerlichen Änderungen

Die Kosten für ein rechtskonformes Set‑up sind gering im Vergleich zu den Kosten eines Krisenfalls.

8. Sie benötigen Unterstützung?

Die Weber I Recht & Steuern Kanzlei Karlsruhe Ettlingen berät Influencer, Agenturen und Unternehmen in allen Fragen des Steuerrechts, Steuerstrafrechts und der Compliance. Wir unterstützen bei:

  • steuerlicher Strukturierung
  • Vertragsgestaltung
  • Betriebsprüfungen
  • internationalen Sachverhalten
  • Selbstanzeigen
  • Compliance‑Set‑ups

9. Nachfolgend ist ein von unserer Kanzlei veröffentlichter Aufsatz zum Thema zu finden:

„5 vermeidbare Fallen für Influencer“, Datev-Magazin, 04/2025, S. 28-30

10. Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie 

Für ein persönliches Gespräch können Sie mit uns Kontakt  oder per E-Mail: kw@weberlaw.de aufnehmen.

Steuerhinterziehung eines selbständig tätigen Rechtsanwalts wegen Schenkungsteuer […]»

Ausgangssituation:

Ein selbständig tätiger Rechtsanwalt zeigte den unentgeltlichen Erwerb eines Kraftfahrzeugs von einem Mandanten gegenüber dem Finanzamt als Schenkung nicht an.

Deshalb verurteilte ihn das Landgericht unter anderem wegen Hinterziehung von Schenkung zu einer Freiheitsstrafe von mehreren Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Der BGH sah dies anders:

Der Verurteilung liegt zugrunde, dass der Angeklagte als selbständig tätiger Rechtsanwalt es pflichtwidrig unterlassen habe, bis zum Fälligkeitszeitpunkt am 25. November 2020 die unentgeltliche Zuwendung eines Kraftfahrzeugs im Wert von 148.480 Euro (brutto) dem zuständigen Finanzamt nicht innerhalb von drei Monaten gemäß § 30 Abs. 1 ErbStG anzuzeigen, und dadurch Schenkungsteuer in Höhe von 34.920 Euro hinterzogen habe.

Nach den Urteilsgründen des BGH ist indes nicht auszuschließen, dass diese Zuwendung durch die anwaltliche Tätigkeit des Rechtsanwalts für das Einzelunternehmen seines Mandanten veranlasst war, und infolgedessen nicht der Schenkungsteuer zu unterwerfen, sondern als Betriebseinnahme – hier tauschähnlicher Umsatz gemäß § 3 Abs. 12 S. 2, § 10 Abs. 2 S. 2 UStG – zu erfassen gewesen wäre.

Eine daraus möglicherweise resultierende Verkürzung von Einkommensteuer wäre nicht von der Anklage umfasst.

Im Verfahren über die Revision stellte der BGH daher das Verfahren wegen der Hinterziehung der Schenkungsteuer gemäß § 154 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 StPO ein.

(vgl. BGH, Beschluss v. 3.1.2025 – 1 StR 49/24)

Weitere Informationen:

Dank unserer Fachexpertise im Steuerstrafrecht publizieren wir in den renommierten Fachzeitschriften wie NWB – Steuer- und Wirtschaftsrecht 

Nachfolgend ist ein kleiner Auszug der von uns verfassten aktuellen Publikationen im Steuerstrafrecht zu finden:

Praxisrelevante Rechtsprechung zum Steuerstrafrecht 2024“ NWB Steuer- und Wirtschaftsrecht 33/2025, S.2264-2281

„Praxisrelevante Rechtsprechung zum Steuerstrafrecht 2023“ NWB Steuer- und Wirtschaftsrecht 33/2024, S. 2263-2275

Weitere Fachbeiträge finden Sie in unserer Rubrik Publikationen:

Publikationen Weber Recht Steuern Ettlingen I Karlsruhe

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Klage beim Finanzgericht – was tun? […]»

Klage beim Finanzgericht – was tun?

Die Klage wird beim Finanzgericht fristgerecht eingereicht. Das Finanzgericht schweigt aber zum Finanzgerichtsverfahren. Welche Rechte hat der Kläger in solchen Fällen? Und was hat er zu beachten? Nachfolgend wird die rechtliche Situation des Klägers in solchen Fällen kurz skizziert.

Es ist leider kein außergewöhnlicher finanzgerichtlicher Vorgang in Deutschland, dass das Finanzgericht seit der Einreichung der Klage beim Finanzgericht schlicht schweigt. Obwohl die Zahl der Klagen in der zweiten Instanz Bundesfinanzhof (BFH) in der letzten Zeit rückläufig ist, ist diese Tendenz in den ersten Instanzen bei den Finanzgerichten derzeit nicht feststellbar. Die Finanzgerichte sind erstinstanzlich für die Klagen in Hauptsacheverfahren als auch für Verfahren im vorläufigen Rechtsschutz zuständig. Verfahren im vorläufigen Rechtsschutz nehmen die Finanzgerichte stark in Anspruch, vor allem zeitlich.

In Hauptsacheverfahren ist oft die Situation, dass die Finanzgerichte nach dem kurzem ersten Korrespondenzaustausch seit der Einreichung der Klage zwischen den Streitparteien für einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahre von der Oberfläche verschwinden und sich erst nach Ablauf dieser Zeit mit dem Erörterungstermin oder einem Erledigungsvorschlag melden. Es gibt Unterschiede auf der Landesebene. Während in Süddeutschland zum Beispiel in Baden-Württemberg die Finanzgerichtsverfahren in Hauptsachen oft in 1 bis 3 Jahren als abgeschlossen gelten, ist es bei manchen Finanzgerichten in Nordrhein-Westfalen oder in Hessen manchmal nicht der Fall.

Unangemessene Verfahrensdauer

Für solche Fälle, wenn Verfahren zu lange dauern, wurde durch die Einführung des § 155 Satz 2 FGO für den Kläger ein Entschädigungsanspruch geschaffen, der ihm nach § 198 EVG dafür entschädigen soll, dass die angemessene Verfahrensdauer überschritten wird.  Gemäß § 155 Absatz 2 i. V. m. § 198 Absatz 1 Satz 1 GVG hat der Kläger Anspruch auf angemessene Entschädigung, der infolge unangemessener Dauer eines Gerichtsverfahrens als Verfahrensbeteiligte einen Nachteil erleidet. Die Umstände des Einzelfalls bestimmen, was eine unangemessene Verfahrensdauer ist. Insbesondere kommen die Schwierigkeit und Bedeutung des Verfahrens einerseits, und das Verhalten der Verfahrensbeteiligten und Dritter andererseits in Betracht (vgl. BFH, Urteil v. 09.04.2014- X K 10/13, BFH/NV 2014, 1393).

Der BFH prüft zuerst, ob die Verfahrensdauer unangemessen war. Der Begriff „unangemessen“ ist ein unbestimmter Rechtsbegriff.

Drei Phasen des Ablaufs des Gerichtsverfahrens

Der Ablauf des Gerichtsverfahrens teilt der BFH in drei Phasen ein (vgl. BFH. Urteil v. 7.11.2013- X K 13/12, BStBl. II 2014,179):

  • 1) Die Beteiligten reichen Schriftsätze ein und tauschen sie durch das Gericht aus. Das Gericht agiert lediglich als Weiterleiter der Schriftsätze.
  • 2) Gerichtsorganisatorisch wird das Verfahren stillgelegt, weil der zuständige Berichterstatter beziehungsweise der Senat wegen der Arbeit an anderen Verfahren das Verfahren nicht bearbeiten kann.
  • 3) In dieser dritten Phase trifft das Gericht die Maßnahmen, die das Verfahren einer Entscheidung zuführen sollen. Hier erfolgen oft gerichtliche Anfragen oder Ermittlungshandlungen an die Streitparteien.

Der BFH geht für den Regenfall von etwa 24 bis 30 Monaten als angemessene Verfahrensdauer aus (vgl. BFH, Urteil v. 09.04.2014- X K 10/13, BFH/NV 2014, 1393). Die Dauer des Verfahrens ist nach der BFH-Rechtsprechung grundsätzlich angemessen, wenn das Gericht gut zwei Jahre nach dem Eingang der Klage mit Maßnahmen beginnt, die das Verfahren einer Entscheidung zuführen sollen, und die damit begonnene dritte Phase des Verfahrensablaufs nicht durch nennenswerte Zeiträume unterbrochen wird, in denen das Gericht die Akte unbearbeitet lässt (vgl. BFH, Urteil v. 6.4.2016- X K 1/15, BStBl. II 2016,694).

Empfehlungen zum Vorgehen wegen unangemessener Verfahrensdauer

Ist der Kläger der Auffassung, dass ein Teil der Verfahrensdauer unangemessen war, und will er dafür eine Geldentschädigung verlangen, muss er unbedingt eine Verzögerungsrüge, und zwar im Ausgangsverfahren, das heißt im Finanzgerichtsverfahren, gemäß § 198 Abs. 3 Satz 1 GVG erheben. Die Verzögerungsrüge kann erst erhoben werden, wenn Anlass zur Besorgnis besteht, dass das Verfahren nicht in einer angemessenen Zeit abgeschlossen wird (§ 198 Abs. 3 Satz 2 GVG). Bei der Erhebung der Verzögerungsrüge ist damit auszuführen, warum Anlass zur Besorgnis besteht. Hier sind dann die Ausführungen zur unangemessenen Verfahrensdauer zu erfolgen. Die erneute Verzögerungsrüge als Wiederholung ist möglich und zwar frühestens sechs Monaten nach der Erhebung der ersten Verzögerungsrüge.

Die Verzögerungsrüge wirkt nach der BFH-Besprechung nur für einen Zeitraum von 6 Monaten zurück (vgl. BFH, Urteil v. 6.4.2016- X K 1/15, BStBl. II 2016,694). Wenn zum Beispiel der BFH feststellt, dass der unangemessene Teil der Verfahrensdauer 15 Monate war, aber der Kläger die Verzögerungsrüge lediglich im 8 Monat dieses Teils erhoben hat, kann der Kläger erst ab dem 8 Monat und somit nur für 8 Monate Geldentschädigung verlangen.

Deswegen ist es ratsam, bereits nach circa 1, 5 bis 2 Jahren des Gerichtsverfahrens, eine Verzögerungsrüge zu erheben, damit sie Ihre Wirkung für Zukunft und auch für die Vergangenheit in den letzten 6 Monate entfaltet, wobei sich der Erhebungszeitpunkt in jedem Verfahren stark variiert. Taktisch ist es sinnvoll, zunächst einmal nach Ablauf von 1, 5 bis 2 Jahren, wenn vom Gericht keine Maßnahmen der dritten Phase absehbar sind, erstmal eine schriftliche Sachstandsanfrage zum Stand des Gerichtsverfahrens an das zuständige Finanzgericht zu richten.

Wenn das Gericht schweigt, was leider oft zutrifft, ist als zweiter Schritt die Erhebung der Verzögerungsrüge dringend in Betracht zu ziehen. Die Hypothese, die manche Autoren vor allem aus der Justiz vertreten, dadurch das Verfahren unnötigerweise mit dem Gericht eskalieren zu lassen, kann der Autor in den heutigen Zeiten nicht nachvollziehen. Denn die Dauer des Verfahrens zum Beispiel von 5 Jahren ohne Absehbarkeit des Abschlusses der zweiten und dritten Phase hat mit dem Rechtsstaat nach Art. 20 Abs. 3 GG nichts mehr zu tun, so dass Erhebung einer Verzögerungsrüge nicht nur geboten, sondern dringend erscheint.

Die Geldentschädigung beträgt gemäß § 198 Abs. 2 Satz 3 GVG grundsätzlich 1.200,00 € für jedes Jahr der Verzögerung. Sie kann auch zeitanteilig nach Monaten bemessen werden, das heißt 100,00 € im Monat. Wenn die Ehegatten im Ausgangsverfahren zum Beispiel Verzögerungsrüge erhoben haben, dann steht dieser Entschädigungsanspruch jedem Ehegatten gesondert zu (vgl. BFH, Urteil v. 06.11.2024 – X K 1/24). Das heißt, jeder Ehegatte kann 1.200,00 € jährlich verlangen.

Soweit der Kläger einen Anspruch auf Geldentschädigung hat, besteht auch zusätzlich ein Anspruch auf Prozesszinsen. Die Höhe des Prozentsatzes beträgt fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz gemäß § 291 Satz 2 BGB i V. m. § 288 Abs.1 Satz 2 BGB (vgl. BFH, Urteil v. 06.11.2024 – X K 1/24).

Nach § 155 Satz 2 FGO ist für dieses Verfahren im Rahmen der Entschädigungsklage der BFH als einzige Instanz zuständig, und die Klage ist gegen das Bundesland, dessen Finanzgericht betroffen ist, zu richten (vgl. BFH, Beschluss v. 20.10.2014 – X K 3/13). Wenn zum Beispiel das Gerichtsverfahren bei dem Finanzgericht Baden-Württemberg unangemessen lange gedauert hat, ist der Beklagte beim BFH das Bundesland Baden-Württemberg. Es besteht Vertretungszwang, die Entscheidung durch Einzelrichter ist nicht möglich. Dafür sind die PKH-Anträge möglich. Dabei ist der BFH als erstinstanzliches Tatsachengericht zuständig.

Fazit

Das Finanzgericht kann man zum Ablauf und vor allem zu der Dauer des Verfahrens nicht zwingen, auch wenn einige Jahre seit der Erhebung der Klage vergangen sind. Allerdings kann der Versuch durch die Sachstandsanfrage und gegebenenfalls die Erhebung der Verzögerungsrüge unternommen werden, das Verfahren in zeitlicher Hinsicht nach Ablauf bestimmter Zeit zu beschleunigen. Die angemessene Geldentschädigung bleibt der letzte Trost für den Kläger.

Weitere Informationen

Dank unserer Fachexpertise im Steuerstreitrecht publizieren wir in den renommierten Fachzeitschriften wie NWB – Steuer- und Wirtschaftsrecht und StBp Die Steuerliche Betriebsprüfung.

Nachfolgend ist ein kleiner Auszug der von uns verfassten aktuellen Publikationen zu finden:

Gemeinsame koordinierte Außenprüfung mit Steuerverwaltung fremder Staaten“ StBp Die Steuerliche Betriebsprüfung 12/2025, S.404

„Praxisrelevante Rechtsprechung zur Außenprüfung im Jahr 2024, Teil 1:“ NWB Steuer- und Wirtschaftsrecht 37/2025, S.2540-2550

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Publikationen Weber Recht Steuern Ettlingen I Karlsruhe

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Kassenführung, Betriebsprüfung, Steuerstrafverfahren: Was Unternehmen jetzt wissen müssen[…]»

Kassenführung, Betriebsprüfung, Steuerstrafverfahren:

Was Unternehmen jetzt wissen müssen:

Eine ordnungsgemäße Kassenführung ist für Unternehmen der digitalen Wirtschaft unverzichtbar. Elektronische Kassensysteme mit technischer Sicherheitseinrichtung (TSE) sollen Manipulationen verhindern – dennoch bleiben Fehler, Unregelmäßigkeiten und formelle Mängel ein zentraler Prüfungsansatz der Finanzverwaltung. Werden Kassendaten nicht vollständig, richtig oder manipulationssicher aufgezeichnet, drohen erhebliche steuerliche Risiken, Zuschätzungen nach § 162 AO und im Einzelfall auch steuerstrafrechtliche Konsequenzen.

1. Kassenführung nach §§ 146, 146a AO:

Anforderungen und Risiken:

Die gesetzlichen Vorgaben zur Kassenführung ergeben sich aus §§ 146, 146a AO. Wesentliche Pflichten:

  • Vollständige, richtige, zeitgerechte und geordnete Erfassung aller Bareinnahmen und -ausgaben (§ 146 AO).
  • Verwendung eines ordnungsgemäßen elektronischen Kassensystems mit zertifizierter TSE (§ 146a AO).
  • Manipulationssichere Aufzeichnung sämtlicher Geschäftsvorfälle.

Werden diese Anforderungen nicht erfüllt, kann die Finanzverwaltung nach § 162 AO die Besteuerungsgrundlagen schätzen – insbesondere, wenn Aufzeichnungen fehlen, unvollständig sind oder nicht der tatsächlichen Geschäftstätigkeit entsprechen.

Bußgeldrechtlich relevant sind die neuen Tatbestände des § 379 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 und 5 AO. Ordnungswidrig handelt, wer:

  • ein elektronisches Aufzeichnungssystem nicht oder nicht richtig verwendet,
  • die TSE nicht oder nicht ordnungsgemäß schützt.

2. Neues BMF‑Schreiben vom 11.03.2024 (IV D 2 – S 0333/23/10001:001):

Digitale Schnittstellen und Verlust der Beweiskraft:

Das BMF‑Schreiben vom 11.03.2024 konkretisiert die Anforderungen an die formelle Ordnungsmäßigkeit der Buchführung. Besonders relevant:

  • Eine ordnungsgemäße Buchführung wird nach § 158 AO als richtig vermutet.
  • Diese Vermutung entfällt, wenn digitale Unterlagen nicht nach den einheitlichen digitalen Schnittstellen bereitgestellt werden können.
  • Folge: Verlust der Beweiskraft nach § 158 Abs. 2 Nr. 2 AO und damit Schätzung nach § 162 AO.

Viele ältere Kassensysteme erfüllen die geforderten digitalen Schnittstellen nicht. Unternehmen, die ihre Systeme nicht aktualisieren, riskieren:

  • formelle Mängel der Buchführung,
  • Zuschätzungen,
  • Bußgelder nach § 379 Abs. 2 Nr. 1h AO, wenn angeforderte Daten nicht vorgelegt werden können.

Besonders kritisch: Wird nach einer Kassen‑Nachschau in eine Außenprüfung übergegangen und fehlen die Daten, liegt faktisch eine Zuwiderhandlung gegen eine vollziehbare Anordnung vor.

3. Betriebsprüfung mit Fokus auf Kassen:

Typische Prüfungsfelder:

In Betriebsprüfungen mit Kassenschwerpunkt untersucht die Finanzverwaltung regelmäßig:

  • Verhältnis Getränke zu Speisen Unplausible Abweichungen vom üblichen 30/70‑Verhältnis können auf nicht erfasste Umsätze hindeuten.
  • Stornierungen Diese müssen vollständig, zeitnah und nachvollziehbar dokumentiert sein.
  • Wareneinsatz‑Umsatz‑Relation Ungewöhnliche Relationen können Schwarzverkäufe nahelegen.
  • Umsatzschwankungen Auffällige saisonuntypische oder betriebsuntypische Schwankungen müssen erklärt werden.

4. BFH‑Verfahren  (Beschluss vom 14.12.2022-  X R 19/21):

Bedeutung der Richtsatzsammlung für Schätzungen:

Im anhängigen Verfahren X R 19/21 prüft der BFH, unter welchen Voraussetzungen ein äußerer Betriebsvergleich anhand der amtlichen Richtsatzsammlung zulässig ist.

Ausgangslage:

  • Der Kläger führte mehrere offene Ladenkassen ohne Einzelaufzeichnungen.
  • Die BP stellte erhebliche Abweichungen zwischen Wareneinkauf und erklärten Umsätzen fest.
  • Die Nachkalkulation ergab einen Rohgewinnaufschlagssatz von 400 %.
  • Das FG Hamburg stützte die Zuschätzungen auf die Richtsatzsammlung.

Der BFH thematisiert insbesondere:

  • Repräsentativität der Daten,
  • regionale Unterschiede,
  • Transparenz der Datenerhebung.

Für Steuerstrafverfahren ist das Verfahren besonders relevant: Wird ausschließlich anhand der Richtsatzsammlung geschätzt, stellt sich die Frage, ob diese Grundlage im Strafverfahren belastbar ist oder ob Beweisanträge die Richtsatzsammlung insgesamt infrage stellen können.

5. Pflichten bei Anfangsverdacht in der Betriebsprüfung:

Sobald ein Anfangsverdacht besteht, muss die Betriebsprüfung nach § 10 Abs. 1 BpO:

  • die Prüfung unterbrechen,
  • die Steuerfahndung oder Bußgeld‑ und Strafsachenstelle informieren.

Ein plötzlich nicht mehr erreichbarer Prüfer kann ein Hinweis auf eine interne strafrechtliche Würdigung sein.

Wichtig für Unternehmen:

  • Während einer laufenden Außenprüfung ist eine Selbstanzeige nach § 371 Abs. 2 S. 1 Nr. 1a AO für den Prüfungszeitraum ausgeschlossen.
  • Auch bei einer Kassen‑Nachschau, wenn von der Betriebsprüfung  zu der Kassen-Nachschau übergegangen wird, ist eine strafbefreiende Selbstanzeige nicht mehr möglich (§ 371 Abs. 2 S. 1 Nr. 1e AO).

Fazit:

Eine ordnungsgemäße Kassenführung ist entscheidend, um steuerliche Risiken, Zuschätzungen und strafrechtliche Ermittlungen zu vermeiden.

Die Anforderungen der Finanzverwaltung – insbesondere durch das BMF‑Schreiben vom 11.03.2024 (IV D 2 – S 0333/23/10001:001) –  steigen weiter.

Unternehmen sollten ihre Kassensysteme technisch aktuell halten, digitale Schnittstellen sicherstellen und alle Geschäftsvorfälle vollständig dokumentieren.

Das BFH‑Verfahren (Beschluss vom 14.12.2022-  X R 19/21) wird voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf Schätzungen und steuerstrafrechtliche Verfahren haben.

Weitere Informationen: 

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Gemeinsame koordinierte Außenprüfung mit Steuerverwaltung fremder Staaten“ StBp Die Steuerliche Betriebsprüfung 12/2025, S.404

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Anlaufhemmung bei Abgabe einer Schenkungsteuererklärung nach Anzeigeerstattung […]»

Anlaufhemmung bei Abgabe einer Schenkungssteuererklärung nach vorheriger Anzeigeerstattung

Die Festsetzung der Schenkungsteuer ist nur innerhalb der gesetzlichen Festsetzungsfrist zulässig. Nach § 169 Abs. 1 Satz 1 AO sind Steuerfestsetzung, Aufhebung oder Änderung ausgeschlossen, sobald die Festsetzungsfrist abgelaufen ist. Für die Schenkungsteuer beträgt diese Frist regelmäßig vier Jahre (§ 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO).

Grundsätzlich beginnt die Festsetzungsfrist mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist (§ 170 Abs. 1 AO). Bei einer Schenkung unter Lebenden entsteht die Steuer mit Ausführung der Zuwendung (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG).

1. Abweichender Fristbeginn bei Erklärungspflichten

Weicht der Gesetzgeber vom Grundmodell des § 170 Abs. 1 AO ab, beginnt die Festsetzungsfrist erst mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die erforderliche Steuererklärung, Steueranmeldung oder Anzeige eingereicht bzw. erstattet wurde (§ 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO). Spätestens beginnt sie jedoch mit Ablauf des dritten Kalenderjahres nach dem Jahr der Steuerentstehung.

Für die Schenkungsteuer bedeutet dies:

  • Wird eine Anzeige nach § 30 ErbStG erstattet,
  • und fordert das Finanzamt anschließend eine Schenkungssteuererklärung nach § 31 Abs. 1 ErbStG an, dann verschiebt sich der Beginn der Festsetzungsfrist.

2. Rechtsprechung des BFH zur Anlaufhemmung

Der Bundesfinanzhof hat bereits mehrfach entschieden, dass in Fällen einer ordnungsgemäß erstatteten Anzeige nach § 30 ErbStG die Anlaufhemmung erst mit Ablauf des Kalenderjahres endet, in dem die Schenkungssteuererklärung eingereicht wird. Dies gilt selbst dann, wenn die Anzeige bereits früher erfolgt ist.

Der BFH bestätigt diese Linie in mehreren Entscheidungen:

  • BFH, Urteil vom 27.08.2008 – II R 36/06, BFHE 222, 83, BStBl II 2009, 232
  • BFH, Urteil vom 17.04.2013 – II R 59/11, BFHE 240, 512, BStBl II 2014, 663

Auch im aktuellen Urteil hält der Senat ausdrücklich an dieser Rechtsprechung fest.

BFH-Urteil v. 27.08.2025 – II R 1/23 –

Vorinstanz: FG Münster Urteil v. 24.11.2022 – 3 K 3384/20 Erb

3. Praktische Konsequenzen für Steuerpflichtige und Berater

Die gefestigte Rechtsprechung führt zu folgenden Konsequenzen:

  • Die Anzeige nach § 30 ErbStG löst keinen Fristbeginn aus.
  • Erst die Abgabe der Schenkungssteuererklärung beendet die Anlaufhemmung.
  • Dadurch kann sich der Beginn der Festsetzungsfrist deutlich nach hinten verschieben.
  • Das Finanzamt erhält einen erweiterten Zeitraum für die Steuerfestsetzung.
  • Für die Beratungspraxis ist eine saubere Dokumentation der Aufforderung zur Abgabe der Erklärung und des Einreichungszeitpunkts entscheidend.

Bei Fragen zur steuerlichen Risikoanalyse oder Verteidigung beraten wir Sie im Bereich Steuerstrafrecht umfassend.

https://www.weberlaw.de/de/kompetenz/steuerstrafrecht/

4. Fazit

Die BFH‑Rechtsprechung schafft eine klare Systematik:

Die Anzeige nach § 30 ErbStG informiert das Finanzamt lediglich über den Vorgang. Erst die Steuererklärung liefert die für die Festsetzung erforderlichen Daten. Deshalb knüpft der BFH den Fristbeginn an die Erklärung – nicht an die Anzeige.

Gerade bei älteren Schenkungen, bei denen die Festsetzungsfrist eine zentrale Rolle spielt, ist diese Differenzierung für die steuerliche Beratungspraxis von erheblicher Bedeutung.

Weitere Informationen zu unseren Leistungen im Steuerrecht finden Sie hier.

https://www.weberlaw.de/de/kompetenzen/

Weitere Fachbeiträge finden Sie in unseren Publikationen.

https://www.weberlaw.de/de/publikationen-steuerrecht-strafrecht/

Konsequenzen für die Praxis:

Fordert das Finanzamt den Steuerpflichtigen bei der Steuerfestsetzung unter Vorbehalt der Nachprüfung auf, erneut eine Schenkungserklärung abzugeben und tut dies der Steuerpflichtige, endet die Anlaufhemmung erst mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die erneute und nicht die erste Steuererklärung eingereicht wird, spätestens jedoch mit Ablauf des dritten Kalenderjahres nach dem Jahr der Steuerentstehung.

Was bedeutet Anlaufhemmung bei der Schenkungsteuer?

Sie verschiebt den Beginn der Festsetzungsfrist, wenn eine Steuererklärung oder Anzeige einzureichen ist.

Bei Schenkungen beginnt die Frist erst mit Abgabe der Schenkungsteuererklärung.

Reicht die Anzeige nach § 30 ErbStG für den Fristbeginn aus?

Nein.

Der BFH stellt klar, dass die Anzeige nicht genügt. Erst die Steuererklärung beendet die Anlaufhemmung.

Welche BFH‑Urteile sind relevant?

Die Grundsätze ergeben sich aus den Urteilen II R 36/06 und II R 59/11, auf die der BFH erneut Bezug nimmt.

Welche praktischen Folgen hat die Anlaufhemmung?

Das Finanzamt erhält mehr Zeit für die Steuerfestsetzung. Für Berater ist die Dokumentation der Erklärungseinreichung entscheidend.

Für eine individuelle Einschätzung Ihres Falls können Sie uns jederzeit kontaktieren.

Steuerhinterziehung: Vorliegen eines Steuervorteils großen Ausmaßes […]»

Kurze Zusammenfassung des BGH‑Urteils:

Leitsätze des BGH-Urteils zum Steuervorteil großen Ausmaßes bei gesonderten Feststellungen von Besteuerungsgrundlagen (Personenmehrheit):

  1. Ein durch unrichtige Angaben in einer Erklärung zur gesonderten und einheitlichen Feststellung von Besteuerungsgrundlagen nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a, § 182 Abs. 1 Satz 1 AO erlangter Steuervorteil (§ 370 Abs. 4 Satz 2 AO) erfüllt die Voraussetzungen eines großen Ausmaßes im Sinne des § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Alt. 2 AO, wenn die einer Personenmehrheit zuzurechnenden Einkünfte zugunsten der Feststellungsbeteiligten um mindestens 140.000 Euro abweichend von den tatsächlich erzielten Einkünften festgestellt sind.
  2. Zur Bestimmung des großen Ausmaßes nach § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Alt. 2 AO bedarf es – wie auch auf Strafzumessungsebene im engeren Sinn – keiner Feststellung und Bezifferung der Auswirkungen des Steuervorteils in den Folgebescheiden, für die der unrichtige Feststellungsbescheid Bindungswirkung entfaltet.
  3. Als Bezugsgröße ist vielmehr allein auf den in dem unrichtigen Feststellungsbescheid liegenden Steuervorteil selbst abzustellen. An hiervon abweichender Rechtsprechung (vgl. BGH, Urteil vom 24. Januar 2024 – 1 StR 218/23 Rn. 12 f.) hält der Senat nicht fest.
  4. Zum Verjährungsbeginn von Steuerstraftaten wegen unrichtiger Erklärungen zur gesonderten und einheitlichen Feststellung von einer Personenmehrheit zuzurechnenden Einkünften nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a, § 181 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 Satz 1und 2 Nr. 1 Buchst. b AO.
  5. Schon der Erlass eines unrichtigen Feststellungsbescheids bewirkt eine konkrete Gefährdung des staatlichen Steueranspruchs. Deshalb ist die Tat bereits mit Erlass des Feststellungsbescheids vollendet.

BGH-Urteil v. 14.10.2025 – 1 StR 445/24

Vorinstanz: LG Darmstadt v. 14.12.2023 – 18 KLs 54943/14

Fazit und Relevanz für die Praxis:

  • Der BGH entschied, dass ein „großes Ausmaß“ nach § 370 Abs. 3 S. 2 Nr. 1 Alt. 2 AO in Verbindung mit § 180 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 Buchst. a AO ab einem Betrag von 140.000,00 € und nicht von 50.000,00 € anzunehmen ist.
  • Allein entscheidend ist der erlangte Steuervorteil in Gestalt des unrichtigen Feststellungsbescheids (Grundlagenbescheid).
  • Die Bezugsgröße in dem Folgebescheid (Einkommensteuerbescheid) spielt steuerrechtlich keine Rolle und damit auch die steuerliche Auswirkung in dem Folgebescheid.
  • Die bisher abweichende frühere Rechtsprechung (vgl. BGH v. 24.1.2024 – 1 StR 218/23) wurde ausdrücklich durch das o.g. Urteil aufgegeben.

Kontaktperson: Ansprechpartner für Steuerstrafrecht, Wirtschaftsstrafrecht, Steuerstreitrecht, Haftungsrecht, Umsatzsteuerrecht, Haftungsrecht, Deutsch-Schweizer Steuerrecht, Compliance, Seminare und Inhouse-Schulungen: Konstantin Weber, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, Karlsruhe, Pfinztal, Waldbronn, Karlsbad, Bruchsal, Rastatt, Malsch, Ettlingen, Offenburg, Pforzheim, Baden-Baden, Speyer, Bühl, Achern, Oberkirch, Gaggenau, Freudenstadt, Nagold, Horb am Neckar, Rheinstetten, Bretten, Remchingen, Waghäusel, Landau in der Pfalz, Germersheim, Neustadt an der Weinstraße, Ludwigshafen am Rhein, Frankenthal (Pfalz), Ludwigshafen am Rhein, Kandel, Herxheim, Mannheim, Schwetzingen, Heidelberg, Hockenheim, Wiesloch, Sinsheim, Mosbach, Neckargmünd, Bad Rappenau, Eppingen, Heilbronn, Ludwigsburg, Stuttgart, Esslingen, Mühlacker, St. Leon-Rot, Bad Dürkheim, Haßloch, Ketsch, Leimen, Neckargemünd, Eggenstein-Leopoldshafen, Linkenheim-Hochstetten, Stuttensee, Iffezheim, Oberkirch, Bad Wildbad

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Heimlicher bzw. verdeckter Testkauf der Finanzbehörde: […] »

Heimlicher bzw. verdeckter Testkauf der Finanzbehörde:

Verdeckte Testkäufe sind ein zunehmend eingesetztes Mittel der Finanzbehörden, um tatsächliche Abläufe im Unternehmen zu überprüfen. Sie dienen insbesondere der Kontrolle der Kassenführung, der ordnungsgemäßen Verbuchung von Umsätzen und der Einhaltung steuerlicher Pflichten. Die rechtlichen Grundlagen und Grenzen solcher Maßnahmen sind jedoch komplex und durch die Rechtsprechung geprägt.

1. Was ist ein heimlicher Testkauf?

Ein heimlicher oder verdeckter Testkauf liegt vor, wenn Mitarbeiter der Finanzbehörde als normale Kunden auftreten, um tatsächliche Geschäftsvorfälle zu beobachten. Typische Ziele sind:

  • Prüfung der Kassenaufzeichnungen
  • Feststellung nicht verbuchter Umsätze
  • Überprüfung der Belegausgabe
  • Vorbereitung einer Schätzung nach § 162 AO

Der Unternehmer erfährt hiervon zunächst nichts, da die Maßnahme bewusst verdeckt erfolgt.

2. Rechtsgrundlagen für verdeckte Testkäufe

2.1 Ermittlungsbefugnisse nach § 98 AO

Die Finanzbehörde darf Sachverhalte ermitteln, wenn dies zur Feststellung steuerlich erheblicher Tatsachen erforderlich ist. Dazu gehören auch Beobachtungen im öffentlichen Raum oder in allgemein zugänglichen Geschäftsräumen.

2.2 Schätzung nach § 162 AO

Werden bei einem Testkauf Unregelmäßigkeiten festgestellt, kann dies eine Schätzung rechtfertigen, insbesondere wenn:

  • Umsätze nicht aufgezeichnet wurden
  • Belege nicht ausgegeben wurden
  • formelle oder materielle Mängel in der Kassenführung bestehen

2.3 Grenzen der Maßnahme

Die Rechtsprechung betont:

  • Verhältnismäßigkeit
  • keine unzulässige Täuschung über die Identität hinaus
  • keine Eingriffe in den privaten Bereich
  • keine verdeckten technischen Überwachungen (z. B. Video, Audio)

3. Rechtsprechung zu verdeckten Testkäufen

Die Finanzgerichte haben mehrfach entschieden, dass verdeckte Testkäufe grundsätzlich zulässig sind, wenn sie sich auf das offene Ladenlokal beschränken und keine intensiveren Eingriffe darstellen.

Wesentliche Aussagen:

  • Testkäufe sind keine unzulässige Ermittlungsmaßnahme, solange sie sich auf allgemein zugängliche Bereiche beschränken.
  • Die Ergebnisse dürfen zur Schätzung nach § 162 AO herangezogen werden.
  • Die Maßnahme muss verhältnismäßig sein.

Beschluss des FG Niedersachsen vom 02.09.2004 – 10 V 52/04 und das Urteil des FG Münster vom 17.09.2010 – 4 K 1412/07 G, U).

FG Niedersachsen, Beschluss vom 02.09.2004 – 10 V 52/04:

4. Grenzen und Risiken für die Finanzbehörde

Auch wenn Testkäufe zulässig sind, gelten klare Grenzen:

  • keine Überwachung außerhalb des Geschäftsvorgangs
  • keine verdeckte Video‑ oder Audioaufzeichnung
  • keine Täuschung über wesentliche Tatsachen
  • keine Maßnahmen, die einer strafprozessualen Ermittlung gleichkommen

Werden diese Grenzen überschritten, kann dies zur Unverwertbarkeit der Erkenntnisse führen.

5. Folgen für Unternehmer

Verdeckte Testkäufe können erhebliche Konsequenzen haben:

  • Schätzungen bei formellen oder materiellen Mängeln
  • erweiterte Betriebsprüfung
  • steuerstrafrechtliche Risiken, wenn vorsätzliche Nichtaufzeichnungen festgestellt werden
  • Nachkalkulationen und Zuschätzungen

Unternehmer sollten daher:

  • die Kassenführung regelmäßig prüfen
  • Mitarbeiter schulen
  • Belegausgabepflichten einhalten
  • interne Kontrollen dokumentieren

Weitere Informationen zu unseren Leistungen im Steuerrecht finden Sie hier:

https://www.weberlaw.de/de/kompetenz/steuerrecht/

6. Fazit

Verdeckte Testkäufe sind ein wirksames, aber rechtlich sensibles Instrument der Finanzbehörden. Die Rechtsprechung erlaubt sie grundsätzlich, setzt aber klare Grenzen. Für Unternehmer ist entscheidend, die Kassenführung ordnungsgemäß zu gestalten und typische Fehlerquellen zu vermeiden, um Schätzungen und steuerstrafrechtliche Risiken zu reduzieren.

Da der Testkauf ein Realakt ist, gegen den der Einspruch nicht statthaft ist (vgl. BFH-Beschluss v. 3.5.2010 – VIII B 71/09), ist es rechtlich nur zulässig, gegen die geänderte Steuerfestsetzung im Rahmen der Einspruchsverfahren und der Finanzgerichtverfahren vorzugehen (vgl. auch Beimler, StBp 2006, 210).

Bei komplexen Sachverhalten unterstützen wir Sie umfassend im Bereich Steuerstrafrecht:

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FAQ:

Sind verdeckte Testkäufe der Finanzbehörde erlaubt?

Ja, solange sie sich auf öffentlich zugängliche Geschäftsräume beschränken und verhältnismäßig sind.

Darf die Finanzbehörde heimlich filmen oder aufnehmen?

Nein. Verdeckte technische Überwachung ist unzulässig.

Können Testkäufe zu einer Schätzung führen?

Ja. Werden Unregelmäßigkeiten festgestellt, kann dies eine Schätzung nach § 162 AO rechtfertigen.

Wie kann man sich schützen?

Durch ordnungsgemäße Kassenführung, Schulung der Mitarbeiter und interne Kontrollen.

Weitere Fachbeiträge finden Sie in unseren Publikationen:

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Offene Ladenkasse: Finanzamt (FA) und Finanzgericht (FG) sind dem Grunde nach zur Schätzung befugt, wenn Mängel der Kassenführung die gesamte Buchführung in Frage stellen und ihr die Ordnungsmäßigkeit nehmen: […] »

Betriebsprüfung bei einer offenen Ladenkasse, dadurch festgestellte Mängel und rechtliche Konsequenzen für Betriebsinhaber:

  • Werden in einem Betrieb vorwiegend Bargeschäfte getätigt, können Mängel der Kassenführung der gesamten Buchführung die Ordnungsmäßigkeit nehmen, mit der Folge, dass Finanzamt (FA) und Finanzgericht (FG) dem Grunde nach zur Schätzung befugt sind.
  • Bei einer offenen Ladenkasse begründet die fehlende Kassensturzfähigkeit einen formellen Buchführungsmangel

BFH-Urteil v. 18.06.2025 – X R 19/21

Vorinstanzen: BFH-Beschluss v. 14.12.2022 – X R 19/21;  FG Hamburg, Urteil v. 13.10.2020 – 2 K 218/18;

BFH-Beschluss v. 28.05.2020 – X B 12/20;  FG Hamburg, Urteil v. 03.09.2019 – 2 K 218/18

Zusammenfassung:

Nach § 162 Abs. 1 Satz 1 AO hat die Finanzbehörde die Besteuerungsgrundlagen zu schätzen, soweit sie diese nicht ermitteln oder berechnen kann.

§ 96 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 FGO i.V.m. § 162 AO gibt dem FG eine eigene Schätzungsbefugnis.

Gemäß § 162 Abs. 2 Satz 1 AO ist insbesondere dann zu schätzen, wenn der Steuerpflichtige über seine Angaben keine ausreichenden Aufklärungen zu geben vermag oder weitere Auskunft oder eine Versicherung an Eides statt verweigert oder seine Mitwirkungspflicht nach § 90 Abs. 2 AO verletzt.

Nach § 162 Abs. 2 Satz 2 AO gilt das Gleiche, wenn der Steuerpflichtige Bücher oder Aufzeichnungen, die er nach den Steuergesetzen zu führen hat, nicht vorlegen kann, wenn die Buchführung oder die Aufzeichnungen der Besteuerung nicht nach § 158 Abs. 2 AO zugrunde gelegt werden oder wenn tatsächliche Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der vom Steuerpflichtigen gemachten Angaben zu steuerpflichtigen Einnahmen oder Betriebsvermögensmehrungen bestehen und der Steuerpflichtige die Zustimmung nach § 93 Abs. 7 Satz 1 Nr. 5 AO nicht erteilt.

Formelle Buchführungsmängel berechtigen nach ständiger Rechtsprechung nur insoweit zur Schätzung, als sie Anlass geben, die sachliche Richtigkeit des Buchführungsergebnisses anzuzweifeln (z.B. BFH-Urteil vom 25.03.2015 – X R 20/13, BFHE 249, 390,BStBl II 2015, 743, Rz 34; BFH-Urteile vom 12.12.2017 – VIII R 5/14, BFH/NV 2018, 602, Rz 38; vom 16.12.2021 – IV R 2/18, BFH/NV 2022, 313, Rz 32, und vom 16.12.2021 – IV R 1/18, BFH/NV 2022, 305, Rz 43; BFH-Beschlüsse vom 12.07.2017 – X B 16/17, BFHE 257, 523, Rz 56, und vom 21.08.2019 – X B 120/18, BFH/NV 2022, 744, Rz 21).

Bei einer offenen Ladenkasse begründet die fehlende Kassensturzfähigkeit einen formellen Buchführungsmangel:

  • Kasseneinnahmen und Kassenausgaben sollen gemäß § 146 Abs. 1 Satz 2 AO a.F. täglich festgehalten werden.
  • Zweck dieser Regelung ist es, im sensiblen Bereich der Abwicklung von Vorgängen, die Bewegungen von Bargeld einschließen, ein möglichst dichtes Kontrollgefüge einzurichten.
  • Die Anforderungen an ein solches Kontrollgefüge sind dabei an die Art und Weise der Kassenführung anzupassen.
  • Grundsätzlich ist der Steuerpflichtige in der Wahl des Aufzeichnungsmittels frei und kann entscheiden, ob er seine Warenverkäufe manuell oder unter Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel erfasst, etwa einer elektronischen Registrier- oder PC-Kasse.
  • Dabei bestimmt die Kasseneigenschaft die Art der Aufzeichnung (BFH-Urteil vom 20.03.2017 – X R 11/16, BFHE 258,272, BStBl II 2017, 992, Rz 37 ff.; BFH-Beschluss vom 08.08.2019 – X B 117/18, BFH/NV 2019, 1219, Rz 17).
  • Im Fall einer offenen Ladenkasse müssen zur Gewährleistung der sogenannten Kassensturzfähigkeit auf der Grundlage eines tatsächlichen Auszählens der Bareinnahmen tägliche Kassenberichte erstellt werden.
  • Ein „Zählprotokoll“ ist nicht erforderlich.
  • Die Kassenberichte müssen so beschaffen sein, dass ein Buchsachverständiger in der Lage ist, zumindest am Beginn und am Ende jedes Geschäftstages – bei Einzelaufzeichnung der Bareinnahmen auch jederzeit im Laufe des Geschäftstages – den durch Kassensturz festgestellten Ist-Bestand anhand der Kassenaufzeichnungen zu überprüfen.
  • Dies gilt trotz der Ausgestaltung des § 146 Abs. 1 Satz 2 AO a.F. als Soll-Vorschrift; denn auch wenn hierdurch zum Ausdruck kommt, dass eine tägliche Aufzeichnung nicht in jedem Fall zwingend erforderlich ist, muss die Entwicklung des Kassenbestandes zweifelsfrei rekonstruierbar sein (BFH-Urteil v. 20.03.2017 – X R 11/16, BFHE 258, 272, BStBl II 2017, 992, Rz 40 f.).
  • Fehlt es an der Kassensturzfähigkeit, liegt ein formeller Buchführungsmangel vor, der nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung grundsätzlich zwar nur insoweit zur Schätzung berechtigt, als er Anlass gibt, die sachliche Richtigkeit des Buchführungsergebnisses anzuzweifeln.
  • Werden aber vorwiegend Bargeschäfte getätigt, können Mängel der Kassenführung die gesamte Buchführung in Frage stellen und ihr die Ordnungsmäßigkeit nehmen (BFH-Urteil vom 20.03.2017 X R 11/16, BFHE 258, 272, BStBl II 2017, 992, Rz 48; Senatsbeschluss vom 12.07.2017 – X B 16/17, BFHE 257, 523, Rz 56).

Fazit: Werden in einem Betrieb (offene Ladenkasse) vorwiegend Bargeschäfte getätigt, können Mängel der Kassenführung der gesamten Buchführung die Ordnungsmäßigkeit nehmen, mit der Folge, dass Finanzamt (FA) und Finanzgericht (FG) dem Grunde nach zur Schätzung befugt sind.

FAQ:

  • Wann darf das Finanzamt bei einer offenen Ladenkasse schätzen? Wenn Mängel der Kassenführung so gravierend sind, dass die Ordnungsmäßigkeit der gesamten Buchführung infrage steht.
  • Welche Mängel gelten als besonders schwerwiegend? Fehlende Einzelaufzeichnungen, nicht nachvollziehbare Tagesendsummenbons, Kassenfehlbeträge oder nachträgliche Änderungen ohne Protokollierung.
  • Welche rechtlichen Grundlagen gelten für Schätzungen? § 162 AO sowie umfangreiche BFH‑ und FG‑Rechtsprechung zur Ordnungsmäßigkeit der Kassenführung.
  • Welche Konsequenzen drohen Unternehmern? Hinzuschätzungen, steuerstrafrechtliche Risiken und ggf. Verzinsung nach § 233a AO.
  • Wie lassen sich Schätzungen vermeiden? Durch vollständige, zeitnahe und manipulationssichere Kassenführung sowie regelmäßige interne Kontrollen.

Kontaktperson: Ansprechpartner für Steuerstrafrecht, Wirtschaftsstrafrecht, Steuerstreitrecht, Haftungsrecht, Umsatzsteuerrecht, Haftungsrecht, Deutsch-Schweizer Steuerrecht, Compliance, Seminare und Inhouse-Schulungen: Konstantin Weber, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, Karlsruhe, Pfinztal, Waldbronn, Karlsbad, Bruchsal, Rastatt, Malsch, Ettlingen, Offenburg, Pforzheim, Baden-Baden, Speyer, Bühl, Achern, Oberkirch, Gaggenau, Freudenstadt, Nagold, Horb am Neckar, Rheinstetten, Bretten, Remchingen, Waghäusel, Landau in der Pfalz, Germersheim, Neustadt an der Weinstraße, Ludwigshafen am Rhein, Frankenthal (Pfalz), Ludwigshafen am Rhein, Kandel, Herxheim, Mannheim, Schwetzingen, Heidelberg, Hockenheim, Wiesloch, Sinsheim, Mosbach, Neckargmünd, Bad Rappenau, Eppingen, Heilbronn, Ludwigsburg, Stuttgart, Esslingen, Mühlacker, St. Leon-Rot, Bad Dürkheim, Haßloch, Ketsch, Leimen, Neckargemünd, Eggenstein-Leopoldshafen, Linkenheim-Hochstetten, Stuttensee, Iffezheim, Oberkirch, Bad Wildbad

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